Sind Hörgeräte auch wasserdicht erhältlich?

Für gewöhnlich ist Wasser der größte Feind von Hörgeräten. Starke Feuchtigkeit in der Dusche oder in den Pool gesprungen und schon sind diese nicht mehr zu gebrauchen. Aber gibt es auch Hörgeräte, die tatsächlich wasserfest sind?

Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Die meisten Hörgeräte haben kein Problem damit, wenn sie angespritzt werden oder ein wenig Schweiß abbekommen. Anders sieht es aus, wenn Sie ihr Hörgerät ins Wasser tauchen wollen. Hörgeräte, die mit „wasserfest“ werben, sind geschützt gegen Spritzwasser. Aber auch sie sind nicht wirklich wasserfest und eignen sich nicht zum Schwimmen.



Siemens stellte 2013 ein wasserdichtes Hörgerät vor. Das Modell Aquaris war komplett wasserdicht und konnte auch die Bahnen im Pool überleben. Es war perfekt für Sportler und Outdoor-Friends, die auf der Suche nach einem robusten Hörgerät waren. Leider hat die Firma die Produktion eingestellt und das Produkt ist nicht mehr im Handel erhältlich. Manche Träger fanden es allerdings befremdlich, die Hörgeräte im Wasser zu tragen. Sie waren schon zu sehr daran gewöhnt, die Umgebungsgeräusche in Schwimmbädern nicht mehr wahrzunehmen. Die Geräusche des Wassers und anderer Personen beim Schwimmen wurden dann als störend wahrgenommen.





Das bedeuten die verschiedenen IP-Klassen

Hörgeräte mit der Klassifizierung IP-68 können für kurze Zeit ins Wasser eingetaucht werden. Die Zahlen 1-9 sagen aus, wie stark resistent ein Produkt gegen Wasser oder Staub ist. IP 68 heißt also aufgeschlüsselt: vollständiger Schutz gegen Staub und geschützt vor dem Eindringen von Wasser für unbestimmte Zeit.



Der Hersteller Unitron hat Premium Geräte entwickelt, die das Eintauchen in Wasser für eine begrenzte Zeit möglich macht. Sie sind mit der IP 68 Klassifizierung gegenzeichnet.



Dennoch sollten die Hörgeräte mit Vorsicht verwendet werden. Im Alltag heißt das, dass diese den Sturz in die Wanne, versehentliches Tragen unter der Dusche oder in einem Regenschauer überleben. Das heißt aber nicht, dass Sie damit stundenlang schwimmen können. Für diesen Einsatz gibt es noch kein passendes Gerät. Die Hörgeräte müssen nach dem Kontakt mit Wasser getrocknet werden.



Manche Hörgerätehersteller bieten Ohrstücke an, die Schwimmen und Tauchen überleben. Sie stellen eine Alternative zum wasserfesten Hörgerät dar. Bestimmtes Zubehör kann den Schutz vor Wasser deutlich verbessern.



Alternative zu wasserdichten Hörgeräten

Im Moment gibt es kein Modell, das wirklich wasserdicht ist und Schwimmen oder Tauchen überlebt. Allerdings gibt es Lösungen für Personen, die gerne Kajak fahren oder in regnerischen Umgebungen unterwegs sind. Aber auch für Personen, die gerne einen Tag am Strand liegen.



Bestimmte Abdeckungen für Hörgeräte können die Geräte effektiv vor Wasserspritzern und Schweiß schützen. Die Hal-Hen Super Seals sind Schutzhüllen aus Gummilatex, die den Schutz vor dem Wasser erhöhen. Schwimmen gehen können Sie damit aber nicht.



Wenn Sie ein möglichst wasserbeständiges Hörgerät suchen, achten Sie auf die Kennzeichnung der Schutzklasse IP-68. Diese haben dann die bestmögliche Resistenz gegen Wasser. Auch Sie können nicht in Wasser eingetaucht werden, können aber Regen und Wasserspritzern standhalten.



Alternativ könnten Sie auch ein Schweißband für Hörgeräte tragen. Das Hearing Aid Sweatband besteht aus einem Stoff, der sich um Ihr Hörgerät legt. So ist es vor Staub, Feuchtigkeit und Schmutz geschützt. Ear Gear bietet ein ähnliches Modell aus Spandex an, das wie eine enge Hülle um das Hörgerät wirkt. Sie haben verschiedene Produkte für jede Art von Hörgerät oder Cochlea-Implantaten.



Wasserdichte Hörgeräte für Kinder

Für Kinder produzieren gewisse Hersteller Hörgeräte, die wasserdicht sind, da diese gerne mal den Knopf im Ohr vergessen. Außerdem lassen sich Kinder nicht so leicht vom Wasser fernhalten wie erwachsene Personen. Diese Geräte können dann einen Meter tief ins Wasser eingetaucht werden und halten das auch für längere Zeit aus.



Die Hörgeräte sind im Wasser voll funktionsfähig. Das heißt, dass Kinder ihr Umfeld wahrnehmen und so beispielsweise den Hinweisen des Bademeisters Folge leisten können. Manche Geräte können auch ihre Hörunterstützung an die spezifische Art des Hörens unter Wasser anpassen. Ihr Kind hört also genauso gut wie im Trocknen.



Nach dem Baden müssen diese allerdings besonders gut getrocknet werden, bis Sie wieder ins Wasser eingetaucht werden können. In der Regel ist der Schutz jedoch nur bis zu einem Jahr gegeben. Abnutzungen können die Abdichtung beschädigen und ein Eindringen von Wasser ermöglichen. Normalerweise können Sie das Gerät aber ohne Bedenken kostenfrei gegen ein neues Eintauschen.



Mir ist mein Hörgerät ins Wasser gefallen. Was jetzt?

Was tun, wenn mein Hörgerät trotz Vorsicht im Wasser gelandet ist? Sollte es tatsächlich passieren, dass Ihnen ihr Hörgerät ins Wasser fällt oder ein dementer Angehöriger seine Hörgeräte im Wasserglas versenkt, bringen Sie die Geräte zu einem guten Akustiker. Dieser Fall ist prinzipiell noch keine Tragödie, wenn das Gerät nur kurz im Wasser gelandet ist. Der Hörakustiker kann dann feststellen, ob Schäden an den Geräten entstanden sind, und möglichen Fehlfunktionen auf den Grund gehen. Kleinere Schäden kann dieser auch wieder reparieren. Sie müssen also nicht fürchten, dass das Gerät ersetzt werden muss.



Pflegetipps im Überblick



Wichtig ist, dass Sie trotzdem daran denken, Ihre Hörgeräte nicht ins Wasser einzutauchen. Bis die Hörgeräte wirklich wasserfest sind, wird es noch eine Weile dauern. Gehen Sie deshalb achtsam mit Ihren Hörgeräten um.



Am besten aufgehoben sind Ihre Hörgeräte in einem entsprechenden Etui an einem schattigen und kühlen Ort und geschützt vor Spritzern aus dem Wasser. Bewahren Sie diese auch nicht mit nassen Handtüchern in einer Tasche auf. Auch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit kann sich negativ auf die Leistung der Hörgeräte auswirken. Möchten Sie ins Dampfbad oder die Sauna gehen, sollten Sie Ihre Hörgeräte zuerst ablegen. Zusammenfassend lässt sich sagen, Hörgeräte sind wie eine teure Uhr und eine Investition, die eine gute Behandlung nötig macht. Sie würden ja vermutlich mit Ihrer Rolex nicht Baden gehen, wenn Sie es nicht unbedingt müssten? Überstrapazieren Sie Ihr Hörgerät daher nicht.



Fazit:

  • Lassen Sie ihr Hörgerät nicht an einem heißen Ort liegen.
  • Vor dem Schwimmen oder Saunieren gilt: Raus aus dem Ohr und an einem trockenen und sicheren Platz ablegen.
  • Nicht mit nassen Badesachen aufbewahren.
  • Schweiß durch Schweißbänder vom Hörgerät fernhalten.
  • Hörgeräte nachts gut auslüften lassen damit



Es heißt also abwarten, ob ein Hersteller in Zukunft mit einem komplett wasserdichten Gerät überrascht.